Wer die ersten drei Staffeln der vielfach ausgezeichneten amerikanischen Fernsehserie „The Wire“ gesehen hat, weiß, dass er auch mit Staffel 4 nichts falsch machen kann. Natürlich wird wie immer ein gewisses „Stehvermögen“ des Zuschauers vorausgesetzt – besticht die Serie des Senders HBO doch durch ihre Komplexität und die sorgfältig gezeichneten Figuren, die sich erst langsam entwickeln. Nach wie vor gibt es „The Wire“ allerdings nur auf DVD und nicht auf Blu-Ray. Dies bedeutet aber auch, an der Bildqualität leichte Abstriche machen zu müssen. Aber darauf kommt es bei „The Wire“ nicht wirklich an. Denn es zählen nicht einzelne Pixel oder die Auflösung, sondern das, was da inhaltlich auf dem Schirm gezeigt wird. Und das ist wieder vom Feinsten, erzählt eigentlich einen ganzen Roman, bringt die düsteren Seiten von Baltimore auf den heimischen Fernseher.

Spannung pur auch bei der vierten Staffel von “The Wire”

Nach dem Untergang des Barksdale-Imperiums und dem Aufstieg eines neuen jungen Drogenkönigs folgen McNulty, Bunk und die anderen Mitglieder der Spezialeinheit in Baltimore weiter “der Spur des Geldes” bis in höchste politische Kreise, während ein wilder Wahlkampf um das Bürgermeisteramt entbrennt.

“Prez” erlebt mit eigenen Augen, wie das Leben in den Slums die Jugendlichen prägt: Die vier Schüler Michael, Namond, Rundy und Dukie müssen sich in einer Stadt voll krimineller Versuchungen und leicht verdientem Geld mit pubertären Ängsten auseinandersetzen und gefährliche Entscheidungen treffen. Auch in der explosiven vierten Staffel von The Wire verschwimmen die Grenzen zwischen Gut und Böse, während die schwelende Unruhe in der Stadt in einen verheerenden Flächenbrand auszubrechen droht.

Wer gedacht hätte, dass mit Ende der Staffel 3, als der prägende Stringer Bell ausschied und Avon Barksdale im Knast verschwand, der Spannungsbogen verloren gehen würde, sieht sich mit der vierten Staffel angenehm enttäuscht. Auch deshalb, weil sie sich einem ganz anderen Thema als die vorherige widmet: Nicht mehr so sehr die Drogen stehen im Vordergrund, sondern das Schulsystem und der Bürgermeisterwahlkampf. Spätestens mit der zweiten DVD, der vierten Folge, nimmt die Geschichte wieder Fahrt auf.

13 Stunden Filmvergnügen umfassen die 5 DVDs der vierten Staffel, der vorletzten. 13 Folgen sind es auch, die den Zuschauer aufs Neue fesseln, je drei auf den ersten vier DVD. Auf Nummer fünf findet sich neben der Abschlussfolge noch etwas Bonusmaterial, das die wirklichen Fans aber nicht unbedingt brauchen. Denn es ist mehr oder weniger das übliche „Making-of“, untermalt mit Statements der Schauspieler.

Nichtsdestotrotz: „The Wire“ hält auch in der vierten Fortsetzung den von Autor David Simon gesetzten hohen Standard der vorigen Folgen. Wieder fühlt sich der Zuschauer wie mitten im Geschehen, fiebert und leidet mit den Akteuren. Einziger Schönheitsfehler: dass die Serie nicht im deutschen Fernsehen gezeigt wird, sondern weiterhin nur über den DVD-Verleih oder zum Kaufen erhältlich ist.
Allerdings müssen deutsche Fernsehzuschauer sowieso froh sein, dass „The Wire“ mit den diversen Fortsetzungen überhaupt hierzulande erhältlich ist – mehrere Jahre, nachdem die Serie das erste Mal in den USA ausgestrahlt wurde.