Vor ein paar Jahren hat die Autorin Julia Stuart die Leserschaft mit ihrem Romane „Der Liebeszauber des Monsieur Ladoucette“ verzaubert und eine leicht zu lesende, unterhaltsame Urlaubslektüre geschaffen. Nun bietet sie ihren Lesern mit dem Roman „Der verborgene Charme der Schildkröte“ neuen Lesestoff. Was hinter diesem seltsame Titel steckt, haben wir uns angesehen.

Das Leben im Tower of London

Balthazar Jones bewirbt sich beim Tower of London um eine Stelle als Beefeater. Beefeater? Ja, so werden die Wächter im Tower of London landläufig genannt. Da die finanzielle Stiuation der Familie Jones nicht gerade rosig ist, freut Balthazar sich natürlich über eine Zusage der Stelle. Zu diesem Job gehört es aber auch, in dem Tower zu wohnen. So zieht er also mit seiner Frau Hebe, ihrem gemeinsamen Sohn Milo und der ältesten Schildkröte der Welt Mrs Cook im Turm ein. Doch dann stirbt der Sohn Milo und mit ihm auch die Liebe des Ehepaar zueinander. Hebe möchte in Ruhe um den schweren Verlust ihres Sohnes trauern, während Balthazar sich immer mehr zurück zieht, denn er selbst trägt ein schwerwiegendes Geheimnis um die Schuld am Tod seines Sohnes mit sich.

So kommt es, dass Hebe Jones eines Tages ihre Koffer packt, um dieser lieblosen Ehe und dem traurigen Alltag zu entfliehen. Zur selben Zeit verschwindet dann auch noch die 180jährige Schildkröte Mrs Cook und hinterlässt somit bei Balthazar endgültig eine tiefe Leere. Er findet nur noch Halt bei den Tieren der Menagerie des Towers, doch auch diese Tiere sollen zurück in den Londoner Zoo gebracht werden. Was bleibt ihm jetzt noch?

Einzelschicksale und der Verlust der Liebe

Auch wenn es sich so anhören mag, als würde sich die Geschichte komplett um Balthazar Jones drehen, so ist dem nicht so. Natürlich spielt dieser eine wichtige Rolle in diesem Roman, wird doch aufgezeigt, wie er nach und nach alles verliert, was ihm lieb ist. Aber auch andere Einzelschicksale werden dem Leser näher gebracht. So arbeitet Hebe zum Beispiel im Fundbüro der Londoner U-Bahn und dort kommen die verschiedensten Leute auf der Suche nach verlorenen Gegenständen vorbei.

Auch wenn sich die kurze Vorstellung der Story sehr traurig und dramatisch anhört, so hat der Roman doch viele lustige Stellen. Die Mischung aus Tragik, Dramatik, Humor und Geheimnissen macht das Buch zu einer interessanten Lektüre. Julia Stuarts Liebe zum Detail lässt den Leser eine Menge über den Tower of London erfahren, was sicherlich einerseits sehr interessant ist, doch stellenweise extrem langatmig und auch langweilig ist. „Der verborgene Charme der Schildkröte“ ist ein Roman, der nicht jedem gefallen wird. Man braucht schon eine Vorliebe für den britischen Humor, um hier seinen Spaß zu haben. Ist diese Vorliebe aber gegeben, wir man sich gut amüsieren!